1990: Die CSU verliert die absolute Mehrheit

Neben dem Wahlkampf, der mit Informationsständen und dem Verteilen von Wahlmaterial bestritten wurde, standen die Entwicklung in der DDR, aber auch die Zukunft des Jugendzentrums auf der Tagesordnung. Die CSU führte einen verzweifelten Wahlkampf, da sie den Verlust der absoluten Mehrheit vor Augen hatte. Wechselnde Gruppierungen ("Sechs gegen 18", "Acht für Starnberg") befehdeten sich.

Im März war die Schlacht geschlagen: Die CSU verlor die absolute Mehrheit und erreichte nur zehn Sitze, der erste Bürgermeister verlor 15 Prozent an Stimmen, die FDP büßte einen Sitz ein und die SPD konnte ihre fünf Mandate knapp halten. Für sie zogen Holger Knigge, Wolfgang Türk, Hans-Peter Brehm, Reinhard Dirr und Manfred Gutsch in den Stadtrat ein. Trotz guter Platzierungen hatte keine Frau den Einzug von der SPD-Liste in das Stadtparlament geschafft. Auch das gesamte Stimmenergebnis rutschte von 20,9 auf 17,9 Prozent. Immerhin erreichte Holger Knigge als Bürgermeisterkandidat 27,5 Prozent der Stimmen und erzielte damit ein Ergebnis, das in die gewohnten Größenordnungen von CSU-Mandatsträgern hineinreichte. Außerdem zogen erstmals eine "Bürgerliste" und ein Vertreter der Republikaner in das Stadtparlament ein. Bei der Wahl zum zweiten Bürgermeister unterlag Holger Knigge knapp mit zwölf gegen 13 Stimmen gegen Fritz Peter Specht - somit wurde Holger Knigge dritter Bürgermeister. Die CSU war endgültig gespalten. Otto Gaßner und Heiner Janik votierten für den Sozialdemokraten und verließen die CSU-Fraktion. Nun wurde endlich der Söckinger Ortsverein mit dem Starnberger zusammengelegt. Der politische Stellenwert und die Ortsvereinsarbeit waren in Söcking auf einem Tiefstpunkt angelangt. Mit einem Vereinigungsfest begingen die Sozialdemokraten die Zusammenlegung. Der Mitgliederstand wuchs dadurch auf 130 an.

Nach der Auswertung der Wahlergebnisse und einer internen Aussprache wandte man sich wieder Sachthemen zu: dem Denkmalschutz und der Müllentsorgung und Abfallverminderung. Einen außenpolitischen Akzent setzte die Beschäftigung mit Michail Gorbatschow's Perestroika.

Die SPD setzte im Stadtrat die Einrichtung eines Umweltausschusses durch. Außerdem regte sie die Einrichtung eines Frauenreferates an, was auch beschlossen wurde. Reinhard Dirr schärfte als Umweltreferent das Profil der SPD mit vielen erfolgreichen Initiativen im Bereich des Umweltschutzes und der Müllproblematik.

Außerdem waren im Herbst 1990 Landtagswahlen zu bestehen - aus denen die Partei mit einem eher mäßigen Ergebnis hervorging. Über das Programm der Bundes-SPD mit dem Titel "Fortschritt '90" diskutierte man mit Johano Straßer, der Mitglied der Grundwertekommission ist.

Im November trat Holger Knigge als erster Vorsitzender ab. Nach dem Motto "Ohne Weiberkram geht bei der SPD nichts mehr" oder, vornehmer ausgedrückt, "Mehr Frauen in die Politik" wurde Susanne Röthig zur ersten Vorsitzenden gewählt. Als ihre Stellvertreter amtierten Renate Mengen-Buch und Holger Knigge. Für die Kasse blieb Horst Eck verantwortlich, als Schriftführer wurde Walter Albrecht gewählt. Als Beisitzer komplettierten Toni Lobzensky, Malte Beermann, Dieter Lehmann und Christiane Waldmann den Vorstand. Die letzte Phase des Jahres wurde vom Bundestagswahlkampf beherrscht. Aber auch aus diesem Wahlgang ging die SPD nicht als Sieger hervor.