1985: Der "Bayerische Hof" - abreißen oder erhalten?

Im Februar kam ein Thema zur Sprache, das sich zum Hauptstreitpunkt des Jahres entwickeln sollte: der Abriss oder die Erhaltung des "Bayerischen Hofes". Die Stadt hatte seit einiger Zeit Planungen für den Neubau eines Hotels am Bahnhofsrondell entwickelt, dem der "Bayerische Hof" hätte weichen müssen. Das Thema war brisant, da im Zusammenhang mit dem Hotelneubau auch der von der SPD seit langem geforderte Kultursaal verwirklicht werden sollte. Die Versammlung mit diesem Thema zog auch viele Nichtmitglieder an. Die Stadträte Wolfgang Türk und Karlheinz Scherze erläuterten die Thematik. "Für mich", sagte Wolfgang Türk, "ist der 'Bayerische Hof' einfach schön - und damit auch erhaltenswert." Mit dieser Meinung hatte er die Hälfte der 50 Zuhörer hinter sich. Karlheinz Scherze formulierte es vorsichtiger: "Wir sind für den Stadtsaal, und wenn die Gestaltung des Projekts zufriedenstellend erscheint, muss das alte Hotel abgerissen werden."

Die SPD legt sich nicht fest, war das Fazit der Presse, aber der Vorstand war froh, dass es gelungen war, ein kontroverses Thema im Ortsverein zusammen mit der Fraktion sachlich anzugehen. Das Thema "Bayerischer Hof" weitete sich aus. Die anderen Parteien nahmen sich seiner an, Bürgerinitiativen entstanden, eine Bürgerversammlung fand dazu statt. Es wurde klar, dass die Zeiten sich geändert hatten: Man fand ein neues Auge für die alten Starnberger Bauten, das Hotelprojekt verlief im Sand, der "Bayerische Hof" wurde renoviert und langfristig verpachtet. Zu seiner Erhaltung hat die SPD wesentlich beigetragen.

Inzwischen schoss sich die CSU auf den neuen Vorstand ein. Anlass war die Kritik der SPD an der Einladung eines Professors zu einer CSU-Versammlung gewesen, auf der in den Augen der SPD rassistisch-völkisches Gedankengut verbreitet worden war. Die Antwort der CSU ließ nicht lange auf sich warten: Der Starnberger SPD-Vorsitzende sei ein "politischer Amokläufer", der eine niederträchtige Aktion gegen die CSU gestartet habe. Eine Zusammenarbeit sei jetzt und in Zukunft nicht mehr möglich - ganz so schlimm wurde es dann doch nicht.

Die Sicherheitspolitik stand im Mittelpunkt einer Versammlung, in der das neue Grundsatzprogramm der Bundes-SPD vorbereitend diskutiert wurde. Der Ortsverein suchte zwischen der These von Oskar Lafontaine, die Bundesregierung müsse das Ausscheiden aus der NATO wagen und atomwaffenfrei werden, und der These von Hans Jochen Vogel, die Idee eines deutschen Sonderweges sei unrealistisch, seinen Weg.

Der 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation war der Anlass zu einer Gedenkveranstaltung im Mai, die eigentlich mit den anderen Parteien gemeinsam hätte organisiert werden sollen. Da die CSU dies aber ablehnte, gab es bei der Gestaltung keine Probleme. Es war klar, dass die Kapitulation eine Befreiung durch die vier Siegermächte war. Wulf von Lochner, der Vorsitzende des Nachbarortsvereins Gauting, schilderte den 8. Mai 1945 aus seinem eigenen Erleben. Ein Film rief die Geschehnisse der Zeit ins Gedächtnis zurück. Die Ortsvereine Starnberg und Söcking gestalteten die Gedenkfeier gemeinsam.

Dann drängten schon wieder die Probleme der Gegenwart. "Schluss mit den Müllbergen", hieß die Forderung der SPD. Reinhard Dirr referierte über die Problematik der Abfallvermeidung und Müllentsorgung und forderte die "grüne Tonne" für den kompostierbaren Müll. Das Thema war durch eine Umweltinspektion des Stadtgebietes mit dem Fahrrad vorbereitet worden.

Mit einer Veranstaltung zum Scheidungsrecht, in der die Landtagsabgeordnete Carmen König referierte, ging der Ortsverein in die Sommerpause. Anlass für das Thema war der Versuch der Unionsparteien gewesen, das Scheidungsrecht zu Lasten der Frauen zu ändern. Der Ortsverein beschloss, ein Schreiben an alle Frauen im Bundestag zu richten, um sie über die Fraktionsgrenzen hinweg gegen den geplanten Rückschritt zu mobilisieren.

Ein Sommerfest leitete die zweite Hälfte des Jahres 1985 ein. Unter anderem wurde der beste Kohl-Witz gesucht und prämiert. Mit einer Beteiligung an Kabelfernsehgesellschaften, dem Hotel "Bayerischer Hof", der geplanten Bebauung des Gresbeck-Grundstücks am Bahnhof und dem Schutz des Maisinger Tals beschäftigte sich der Ortsverein im Herbst. Jürgen von Heckel referierte über das neue Grundsatzprogramm und das Jahr, das voller Aktivitäten gewesen war, klang mit einer Weihnachtsfeier aus.

Organisatorisch hatte es der Ortsverein in dieser Zeit mit drei Problemen zu tun: Die geplante Zusammenlegung der Ortsvereine Starnberg und Söcking war nicht nur zwischen beiden Ortsvereinen, sondern auch innerhalb der jeweiligen Verbände, nicht unumstritten. Der Disput endete aber, als der Unterbezirk ein Machtwort sprach und die Zusammenlegung zum Jahresanfang 1987 verfügte. Außerdem verlangte der Parteivorstand, dass alle Mitgliedsbeiträge künftig über das Bank-Einzugsverfahren erhoben würden. Kassier Otto Roßmadl hatte es schwer, alle Mitglieder von der Notwendigkeit der Umstellung zu überzeugen, was ihm schließlich gelang, wenn auch die Mitgliederkartei bei dieser Aktion zahlenmäßig schrumpfte. Für eine solide finanzielle Basis des Ortsvereins war diese Umstellung aber erforderlich. Weniger erfreulich verlief die Arbeit an der Informationsschrift "Starnberg heute". Die finanziellen und personellen Ressourcen reichten nicht aus, um das Vorhaben richtig in Schwung zu bringen.