1948: Die Jahre schreiten fort

In der Stadtratssitzung am 7.6.1948 weist die CSU erneut den Anspruch der SPD als zweitstärkste Fraktion auf das Amt des 2. Bürgermeisters zurück und wählt statt Berthold Spangenberg den parteilosen Eduard Süskind. Um ihre Parteiarbeit aktivieren zu können, eröffneten die SPD-Mitglieder in der Maximilianstraße 15 ein Parteibüro mit Schreibmaschine und Telefon. Am 1. Januar 1949 zählte der Ortsverein bereits 141 Mitglieder. Am 20. November 1950 schlugen die Herzen der Starnberger Sozialdemokraten höher! Der Grund: Anlässlich einer Großkundgebung in München wohnte der damalige Parteivorsitzende und Oppositionsführer im Deutschen Bundestag, Kurt Schuhmacher, im Starnberger Hotel "Bayerischer Hof". Eine Delegation Starnberger Genossen überbrachte dem großen Politiker der Nachkriegsjahre einen Strauß roter Nelken. Willy Thieme wurde für den Wahlkreis Starnberg am 26. November 1950 als Landtagskandidat aufgestellt und eine Sensation war damit perfekt: Er schaffte den Sprung ins Maximilianeum! Überhaupt hatte die SPD 1950 enorme Stimmengewinne zu verzeichnen. Bei den Kommunalwahlen am 30. März 1951 wurde die SPD durch Franz Heidinger, Emil Rohm, Berthold Spangenberg und Fanny Ellmer im Stadtrat vertreten. Der Wahlkampf war - wie immer - an den mangelnden finanziellen Mitteln gescheitert. Der Materialschlacht der CSU, hinter der ja von jeher das Großkapital stand, war die arme SPD nicht gewachsen. Aus finanziellen Gründen muss auch dann am 10. August 1953 der ganze Stolz der Starnberger SPD, das Parteibüro in der Maximilianstraße, wieder aufgegeben werden. In den Jahren 1953 und 1954 übertrug sich die Wahlmüdigkeit der Bevölkerung auch etwas auf die Parteienvertreter; zwar fanden regelmäßig die Monatsversammlungen des Ortsvereins statt, doch darüber hinaus war an Aktionen kaum etwas zu verspüren. Leben kam wieder in die SPD-Reihen, als der Spielbankenprozess weltweit Schlagzeilen machte. Ein Antrag des Ortsvereins Starnberg an die Landtagsfraktion forderte die rasche Aufklärung und Klarstellung der Hintergründe.

Am 18. März 1956 geschah dann das Wunder: Bei den Kommunalwahlen avancierte die SPD erstmals zur stärksten Fraktion im Rathaus. Mit ihren fünf Sitzen stellte sie dann auch den 2. Bürgermeister, Franz Heidinger, der es bis 1972 geblieben ist. In Nachfolge von Willy Thieme kandidierte Finanzminister a.D. Friedrich Zietsch im Wahlkreis Starnberg für den Landtag und vertrat ihn zwei Legislaturperioden lang. Am 18. Februar 1960 hatte sich Franz Heidinger auf Drängen seiner Parteifreunde entschlossen, zum 1. Bürgermeister zu kandidieren, doch musste er sich hinter dem weitaus jüngeren Rechtsanwalt und jetzigen Landrat Dr. Rudolf Widmann (FDP) geschlagen geben. Das war keine Schande, war doch Widmann mit einem juristischen Fachwissen ausgerüstet, mit dem der Heidinger Franzl einfach nicht mithalten konnte, und der Finanz- und Materialeinsatz der Gegenseite war natürlich wiederum entsprechend. Dafür lernte Widmann das versierte kommunalpolitische Wissen seines Bürgermeisterkollegen Heidinger sehr bald schätzen und musste anfangs nicht selten seinen später zum väterlichen Freund gewordenen Vertreter um Rat fragen. Dass das Gespann Widmann/Heidinger für Starnberg Entscheidendes geleistet hat, ist unbestritten und in Starnberg schon zum geistigen Allgemeingut geworden. Die sechs im Stadtrat vertretenen SPD-Mitglieder halfen aufs beste mit, sozialdemokratische Ideen in der Kommunalpolitik zu verwirklichen.