1945: Wieder eine politische Heimat
Am 1. September wurde der Wunsch der Genossen nach einer politischen Heimat wieder laut. Es kam der Antrag auf Gründung eines SPD-Ortsvereins. Dem wurde von der Militärregierung schließlich stattgegeben, und schon am 23. September 1945 konnte im Gasthaus "Zur Sonne" ein frischgebackener Ortsverein aus der Taufe gehoben werden. Zum Vorsitzenden wählten die Anwesenden Dr. Sauermann, zu seinem Stellvertreter Karl Schütt, als Schriftführer war Xaver Schuller im Amt. Bemerkenswert ist die Bildung eines Ausschusses, dem die Ermittlung des von den Nazis widerrechtlich eingeheimsten Grundbesitzes oblag. Dieser Grundbesitz sollte wieder an die ursprünglichen und rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden.
Indessen wurde das uneigennützige Engagement der Sozialdemokraten gleich nach dem Krieg bei den ersten Gemeinderatswahlen am 28. Januar 1946 nicht honoriert. Im Gegenteil: Die SPD erreichte nur 18 Prozent und damit fünf Sitze, während die CSU, von der weit weniger Leute aktiv im Aktionsausschuss tätig gewesen waren, zehn Sitze für sich in Anspruch nehmen konnte. "Undank ist der Welt Lohn" - dieses Sprichwort feierte hier einen neuen Urstand. In den ersten regulären Stadtrat nach dem Krieg zogen für die SPD ein: Dr. Hans Sauermann, Kunsthistoriker, Xaver Schuller, Monteur, Berthold Spangenberg, Diplom-Chemiker, Karl Schütt, Ingenieur, und Hans Zellner, Kassier.
In der ersten Sitzung des neugewählten Stadtrates wurde aus den Reihen der Stadträte der 1. Bürgermeister gewählt. Die CSU war - entgegen ursprünglicher Zusagen - nicht bereit, der zweitstärksten Fraktion den Posten des 2. Bürgermeisters zuzugestehen, sondern stellte auch den 2. Bürgermeister. Aufgrund ihres machtbetonten Verhaltens, das von der SPD als Minderheit in keiner Weise beeinflusst werden konnte, gab der SPD-Fraktionsvorsitzende, Dr. Hans Sauermann, in der zweiten Stadtratssitzung eine Erklärung ab, in der es hieß, dass die SPD die Verantwortung für künftiges Geschehen ablehne und nicht mittragen könne, da sie an den Entscheidungen nicht beteiligt werde. Damit war ein Spannungsverhältnis im Stadtrat zwischen CSU und SPD geschaffen, das sich so schnell nicht wieder auflöste.
Bei den Kommunalwahlen am 25. April 1948 verschob sich das Kräfteverhältnis nicht wesentlich: Die SPD erreichte vier Sitze, die CSU brachte es auf sieben. Als Bürgermeisterkandidat unterlag Berthold Spangenberg in der Stichwahl gegen Otto Gassner senior. Die Hauptversammlung wählte unterdessen Franz Heidinger zum 1. Vorsitzenden, zu seinem Stellvertreter Emil Rohm und zum Schriftführer Alois Michalik. Die Wirtschaft "Deutsches Haus", deren Wirt Peter Fischhaber sen. der SPD angehörte, wurde zum Versammlungslokal erklärt. Am 4. Februar 1949 sprach Prof. Dr. Wilhelm Hoegner zum zweiten Mal in Starnberg. Sein Referat befasste sich mit den politischen Verhältnissen in Bayern und ging wie kaum eine Rede eines sozialdemokratischen Politikers so deutlich auf die besonderen Verhältnisse in unserem Heimatland ein.
Der Ortsverein der Starnberger SPD entwickelte sich nach dem Krieg nicht viel anders wie viele hundert Ortsvereine in ganz Deutschland. Personelle Veränderungen traten ein, manch harter Abschied durch Tod, Krankheit oder Wegzug war zu beklagen, doch die politische Arbeit ging weiter. Zwar waren die Erfolge unterschiedlich, und auch heute noch - wie man sieht - ist das Ziel der Sozialdemokraten in Starnberg noch lange nicht erreicht, doch beginnen die vielen Denkanstöße und Tätigkeiten der Sozialdemokraten allmählich ihre Wurzeln zu schlagen. Es würde eine nicht enden wollende Liste ergeben, wollte man die zahllosen Initiativen der SPD-Fraktion hier aufzählen. Deshalb wollen wir uns auf eine kurze chronologische Übersicht beschränken, die in groben Umrissen die Nachkriegsentwicklung aufzeigt.
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