1933: Es war lebensgefährlich, Sozialdemokrat zu sein
Dieser Pressebericht zeigt einmal mehr die politische Radikalisierung kurz vor der Machtübernahme durch Adolf Hitler. Obwohl bei den oben geschilderten Auseinandersetzungen anscheinend die Nazis wesentlich mehr abbekommen hatten als die Reichsbannerleute, so waren die Nazis letzten Endes doch in der Überzahl. Es wurde immer gefährlicher, Sozialdemokrat zu sein, geschweige denn, sich öffentlich dazu zu bekennen. Kein Wunder also, dass forthin das öffentliche Auftreten der Starnberger Genossen immer seltener wurde und die Aktivität des Ortsvereins unter dem massiven Druck der rechtsradikalen Kräfte schließlich ganz erstickt wurde. So war es praktisch nur noch eine Formsache, als Hitler nach seiner Machtergreifung die SPD verbot. Im Starnberger Stadtrat hatte vorher schon der Nationalsozialist Franz Buchner die Macht übernommen. Wie dieses fürchterliche Schauspiel vor sich ging, schildert folgender Bericht: "... Zu beiden Seiten des Hakenkreuzes waren die Bilder des Reichspräsidenten ... und des Reichskanzlers ... In und vor dem Sitzungssaal standen dichtgedrängt jene, die Zeugen des offiziellen Aktes sein wollten. Wenige Minuten vor 7 Uhr hatten sich die neuen Stadtratsmitglieder eingefunden, die Nationalsozialisten marschierten geschlossen im Braunhemd ein. Bürgermeister Jägerhuber eröffnete die Sitzung mit der Bekanntgabe, dass sämtliche Wahlvorschläge vom Bezirksamt genehmigt worden seien und begrüßte als Wahlleiter die neuen Herren ... Der Ortsgruppenführer der NSDAP, Scherer, schlug MdR Franz Buchner für die Stelle des ehrenamtlichen 1. Bürgermeisters vor. Stadtrat Ebert erklärte namens der deutschnationalen Fraktion, diesem Vorschlag zuzustimmen; das gleiche erklärten Stadtrat Gassner für die Bayerische Volkspartei und Stadtrat Höbel für die sozialdemokratische Fraktion. Es folgte die geheime Wahl mit Stimmscheinen. Wahlleiter Bürgermeister Jägerhuber verkündete das Ergebnis: Von 15 abgegebenen Stimmscheinen lauteten 13 auf Franz Buchner, einer auf Josef Jägerhuber, einer unbeschrieben. Die versammelten Zuhörer stimmten ein dreifaches 'Sieg-Heil!' an."
Wenig später stellte Alois Höbel sein Mandat als Stadtrat zur Verfügung. Am 23. Juni 1933 wurde das totale Verbot für die SPD im ganzen Reich erlassen. Die durch die zurückgetretenen SPD-Stadträte freigewordenen Sitze wurden der Einfachheit halber gleich mit NSDAP-Leuten besetzt.
Was sich zwischen den Jahren 1933 und 1945 abspielte, ist schon so oft geschrieben worden, dass es an dieser Stelle nicht mehr zu wiederholt werden braucht. Auch sind nur die Folgeerscheinungen des Krieges für die Geschichte der Starnberger SPD kennzeichnend. Und um diese Geschichte geht es ja hier.
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