1932: Gewalt als Mittel politischer Macht

Trotzdem hörten die Starnberger Genossen nicht auf, weitere Versammlungen abzuhalten. Am 24. Juni sprach zum ersten Mal der spätere bayerische Ministerpräsident, Prof. Dr. Wilhelm Hoegner, im Pellet-Mayer-Saal zum Thema "lm Wartesaal des Dritten Reiches". Weitere Versammlungen folgten, und Meldungen, wie eine am 12. März 1932 im "Land- und Seeboten" erschien, waren nicht selten: "Ein politischer Zusammenstoß. - In der vergangenen Nacht stießen in der Wittelsbacherstraße zum Schutz ihrer Plakate patrouillierende Gruppen von Nationalsozialisten und Reichsbannerleuten zusammen, wobei es zu Tätlichkeiten kam. Im Verlauf derselben fielen auch Schüsse. Vier Personen wurden verletzt."

Auch folgende Meldung, vom 17. Juli 1932, zeigt die schwierige Lage, in der sich die Sozialdemokraten in ganz Deutschland während der Nazizeit befanden: "Eine Reihe politischer Zusammenstöße ereigneten sich in Starnberg im Laufe der Sonntagnacht. Abends gegen halb sieben Uhr überquerte ein Lastauto, besetzt mit Hamburger Nationalsozialisten, den Tutzinger-Hof-Platz. Die 'Heil-Hitler'-Rufe der Nationalsozialisten wurden von einigen Zivilpersonen aus der Menge heraus mit Rufen 'Heil Moskau' beantwortet. Darauf kam es zuerst zu einem kleineren Handgemenge zwischen in der Nähe befindlichen SA-Leuten und den einzelnen Schreiern. Kurz darauf kehrte, anscheinend auf Alarmierung hin, das Lastauto mit den Hamburger SA-Leuten wieder zurück und diese gingen mit Schlagwaffen gegen die angesammelte Menge vor, wobei auch Unbekannte verletzt wurden. Abends ereignete sich ein weiterer Zusammenstoß an der Kreuzung Haupt-/Baderstraße, wobei ein bereits am Tutzinger-Hof-Platz verletzter Gegner der Nationalsozialisten verfolgt und geschlagen wurde. Als nach 11 Uhr abends ein uniformierter Trupp Reichsbannerleute von einer Versammlung aus Söcking heimkehrte, kam es schließlich zu einem ernsten Zusammenstoß an der Ecke Haupt-/Ludwigstraße. Dabei fielen auch einige Schüsse. Es wurden Personen auf beiden Seiten verletzt. Die Polizei befand sich stark in der Minderheit. Es liegen folgende Verletzte im Krankenhaus: Gilgenrainer Albert mit Schußverletzung am Bein (zwei leichtverletzte Reichsbannerleute konnten sich nach Anlegung von Verbänden nach Hause begeben), die Nationalsozialisten Gröber Nikolaus mit Hiebverletzung am Kopf, Horner Johann mit Stichverletzung am Kopf, Wolf Rupert mit Nervenschock, Ernst Josef mit schwerer Kopfverletzung durch Schlag, Driemel Alfred mit Hiebverletzung am Kopf und Stark Xaver mit Hiebverletzung am Kopf. Leicht verletzt wurden auch Unbeteiligte."