1907: Wegen politischer Gesinnung Kündigung gefordert

Ein Vorfall am Rande, der mit dazu beitragen soll, das politische Reizklima des frühen 20. Jahrhunderts im richtigen Licht erscheinen zu lassen: In Starnberg war vorübergehend neben dem "Land- und Seeboten" eine zweite Zeitung entstanden, in deren Nummer 18 sich eine Erklärung fand, wonach dem "Land- und Seeboten" der katholische Kirchenanzeiger entzogen worden sei, weil ein Schriftsetzer des Verlages "Land- und Seebote" in einer Zentrumsversammlung als sozialdemokratischer Diskussionsredner auftrat. Es handelte sich um den Genossen Karnahl. Hinter der Maßnahme gegen den Verlag und den Schriftsetzer stand die Zentrumspartei Starnberg und der Herr Pfarrer Zuckermeier vom Katholischen Pfarramt Starnberg. Pfarrer Zuckermeier forderte vom Verlag des "Land- und Seeboten" die Entlassung des Schriftsetzers. Diese Forderung wurde in Nummer 20 der konkurrierenden und auf der Seite des Zentrums stehenden "Starnberger Zeitung" abgestritten. Im "Seeboten", der sich forthin immer mehr als Sachwalter der sozialen Angelegenheiten verstand und dies bis zu seiner Einstellung fast ausnahmslos so gehalten hat, stand jedoch zu lesen: "Dem Geigerschen Verlag wurde zugemutet, den Schriftsetzer Karnahl zu entlassen; dann würde der Kirchenanzeiger wieder dem 'Land- und Seeboten' zugewiesen. "Der Verlag ist auf dieses "christliche Vorgehen" nicht eingegangen. Er hat sich in sehr loyaler und für die damaligen Verhältnisse bewundernswerter Weise hinter seine Belegschaft gestellt und erklärt, "lieber geschäftliche Nachteile zu riskieren, als dieser ungeheuerlichen Zumutung zu entsprechen"