Wirtschaftliche Entwicklung im westlichen Landkreis Starnberg

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Der SPD-Ortsverein Seefeld lud am 22. Juli in die Seefelder Schlosswirtschaft benach-barte Ortsvereine, Gemeinderäte aller Fraktionen und interessierte Bürger zu einer spannenden Diskussion ein, die durch einen sehr informativen Vortrag von Christoph Winkelkötter, dem Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung im Landkreis Starnberg - kurz gfw -, angeregt wurde. Ca. 20 SPD-Mitglieder, Gemeinderäte aus Seefeld, Herrsching und Wörthsee sind der Einladung gefolgt. Im Vordergrund stand die Förderung der kommunalen Zusammenarbeit einzelner Gemeinden, wie sie bereits mit Inning und Wörthsee praktiziert wird.

Die Kernaussagen von Christoph Winkelkötter

Der Wettbewerb der Standorte ist hart:
- Viele Standorte sind aus der Sicht der Investoren gleichwertig.
- Es wird immer schwieriger sich zu differenzieren.
- Die Anzahl potenziell geeigneter Standorte wächst.
- National und international arbeitet die Wirtschaftsförderung auf einem hohen Niveau.
- Die Unternehmen nutzen die Konkurrenzsituation aus.
- Die Mehrheit der Ansiedlungen kommt aus der Standortgemeinde oder dem Umkreis.

Der Standort "Landkreis Starnberg" wird als Marke verstanden, da er äußerst attraktiv ist, ein hohes Image genießt. Nirgendwo in Deutschland sind mehr Millionäre angesiedelt als hier, sehr hohes Bildungsniveau: 72 Prozent der Grundschüler gehen aufs Gymnasium. Innovation trifft auf Idylle. Ein sehr hohes Niveau ist erreicht, das auch gehalten werden muss.

Gesellschafter der gfw:
- 41 Prozent: Landkreis Starnberg

- 38 Prozent vierzehn Gemeinden
- 29,8 Prozent UWS (=Unternehmerverband für Wirtschaftsförderung)
- 1 Prozent BDS (= Bund der Selbstständigen)

Handlungsfelder der gfw:
- Behördenlotse
- Kooperation mit der IHK, HWK etc.
- Netzwerke
- Partner der Unternehmen
- Standortmarketing

Instrumente:
- Bildung von Netzwerken, gegenseitiges Kennenlernen
- Verleihung des Wirtschaftspreises Landkreis Starnberg (2009 an Elektro Saegmüller aus Starnberg)
- BDS-Azubi-Akademie
- Tourismustag Starnberg-5-Seenland mit dem Ziel, die Wichtigkeit des Wirtschaftsfaktors Tourismus herauszustellen (Vorteile für Einzelgewerbe)
- "Invest-in bavaria" (Beispiele: DLR, RUAG)
- Neue Buslinien für 4000 Arbeitsplätze. Gewerbegebiete sind nun optimal erreichbar
- DSL-Versorgungsgrad im Landkreis Starnberg muss flächendeckend werden, um alle, die von zu Hause aus arbeiten, zu versorgen
- "INNOSTA" (Gewerbemesse im Landkreis Starnberg)

Gemeindecheck:
- Gilching (GE Sonderflughafen, GE Süd)
- Weßling (Technologiepark, Oberpfaffenhofen, High-Tech-Standort)
- Seefeld (3M Espe, kein eigenes Gewerbegebiet)
- Herrsching (gutes Gerwerbegebiet, Heine etc.)

Gründe für die Attraktivität:
- Image als attraktiver Wirtschafts-/Wohn-/Freizeitstandort
- Wirtschaftsfreundliches Klima in den Kommunen
- Kombination zwischen landschaftlicher Schönheit und wirtschaftlicher Entwicklung passt (kreatives Milieu)
- Insgesamt sehr gute weiche Standortfaktoren
- Gute hart Standortfaktoren (Verkehrsanbindung, verfügbare und bezahlbare Gewerbeflächen)
- Breitbandversorgung und Ausbau der Krippenplätze werden vorangetrieben
- Die Unternehmer werden geschätzt und identifizieren sich mit ihrer Region
- Sehr geringe Arbeitslosenquote (2010 unter 3 Prozent)

2008 38.300 SV (=Sozialversicherungs-)Beschäftigte, überwiegend im Bereich Dienstleistung und produzierendes Gewerbe. Aber auch ein sehr hoher Anteil an hochqualifizierten Beschäftigten in Forschung und Entwicklung

Im Landkreis Starnberg gibt es wesentlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber

Pendlerverflechtungen:
Seit Kurzem gibt es ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Aus- und Einpendlern, d.h. die Anzahl der Einwohner, die ihren Arbeitsplatz außerhalb des Landkreises haben, deckt sich mit der Zahl der Beschäftigten im Landkreis, die ihren Wohnsitz außerhalb des Landkreises haben.

Fazit und Forderungen von Herrn Winkelkötter und den Diskussionsteilnehmern:
- Mittelständisch geprägte Firmen sind das beste Kapital.
- Positive Entwicklung bisher
- Kommunen müssen Vorsorge treffen
- Kommunen müssen mehr miteinander kooperieren (Verkehr, Breitbandversor-gung, Gewerbeflächen, Kinderbetreuung) und vor allem gemeinsame Gewerbegebiete wie Inning/Wörthsee anstreben
- Kommunen sollten die Wirtschaft mit ins Boot holen , um Kosten zu sparen (Beispiel der Kreisel in Etterschlag: Für dessen Pflege und Bepflanzung sorgt die Firma Soyer, nicht die Gemeinde)
- Gfw und Regionalmanagement als Motoren für die Entwicklung
- Chance, Ökologie und Ökonomie gemeinsam erfolgreich nach vorne zu bringen
- Ausbau der Straßen entspricht nicht dem heute gefragten Niveau
- Vernetzung der S-Bahnendhöfe mit Metrobussen fehlt
- Problem Oberpfaffenhofen: 580.000 m² Gewerbefläche sind nur für flugzeugaf-fines Gewerbe, jedoch gibt es so viel flugzeugaffines Gewerbe gar nicht.
- Neues produzierendes Gewerbe wählt nicht den Landkreis Starnberg als Stand-ort, da er zu teuer ist. 3m Espe und TQ Systems sind historisch gewachsene Unternehmen und daher als Ausnahme anzusehen.
- Zunehmender Druck der Wohnbebauung auf die Gewerbeflächen (Beispiel Wörthsee: Bürgerinitiativen verhindern Gewerbeansiedlung in bereits beste-hender Firma - ehem. Groh Verlag, stattdessen Wohnbebauung). Ausgewogenes Verhältnis wäre nötig.
- Firmen im Landkreis Starnberg sollten mehr auf die Abiturienten zugehen, um die Ausbildungsplätze zu besetzen - speziell für den doppelten Abiturientenjahrgang 2011

23.07.2010/Beate Schnorfeil