06.02.2006

Arbeitsplatzabbau bei der Telekom in Regensburg

Schreiben der SPD-Stadtratsfraktion an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG Herr Kai-Uwe Ricke:

Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender,

wie wir den Medien entnehmen mussten, plant die Deutsche Telekom AG einen Arbeitsplatzabbau in Regensburg in der Privatkundensparte und im Servicebereich, ohne dass wirtschaftlich zwingende Notwendigkeiten dafür erkennbar wären.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier erneut um einer bloßen Zentralisierung willen gut funktionierende, leistungsfähige Strukturen zerschlagen werden sollen, ohne jegliche Rücksicht auf die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn von Seiten des Arbeitgebers Telekom dann so getan wird, als könnten die Mitarbeiter problemlos umgesetzt und die Maßnahme deshalb sozialverträglich abgewickelt werden zeugt dies, insbesondere wenn, wie hier in erheblichem Ausmaß Teilzeitbeschäftigte betroffen sind, entweder von Ignoranz oder schlichter Unkenntnis der Realitäten auf Seiten der Verantwortlichen.

Wenn man berücksichtigt, dass 60 % der Betroffenen Frauen sind, von denen etwa die Hälfte in Teilzeit beschäftigt ist können, Arbeitsplatzangebote in München, Nürnberg oder Weiden wohl bei einem gewissen Mindestmaß an Orientierung an der Lebenswirklichkeit nicht als wirkliche Alternative zum Erhalt der Arbeitsplätze in Regensburg angesehen werden.

In dieser Arbeitsplatzvernichtung kommt eine unternehmerische Haltung zum Ausdruck, bei der die Verantwortung eines Unternehmens für seine Arbeitnehmer einer Gewinnmaximierungsdoktrin gewichen ist.

Wir sehen darin eine Abkehr von dem Wirtschafts- und Unternehmerbegriff, der Deutschland in den letzten 50 Jahren wirtschaftlich groß gemacht hat. Wer glaubt, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Rücksicht auf deren familiären Zwänge und sozialen Bindungen wie Schachfiguren von einem Ort zum anderen verschieben zu können, handelt kinder- und familienfeindlich.

Wir anerkennen, dass die Deutsche Telekom, wie jedes andere Unternehmen auch, wirtschaftlichen Zwängen unterliegt. Dennoch sind wir der Ansicht, dass auch die Arbeitnehmerinteressen und strukturpolitische Erwägungen in die Entscheidungsprozesse einzufließen haben. Beides scheint nach den uns vorliegenden Informationen nicht in ausreichendem Maße geschehen zu sein. Hinsichtlich der örtlichen Lage eines Call-Centers sind uns die Beweggründe für eine Verlagerung völlig unverständlich, da es im Grund für den Betreiber, wie für die Nutzer völlig unerheblich ist, in welcher Stadt oder Gemeinde der Call-Centermitarbeiter tätig ist.

Wir, als SPD-Fraktion im Regensburger Stadtrat haben uns in der Vergangenheit unter Hinweis auf die Telekomarbeitsplätze in Regensburg immer dafür eingesetzt, dass die Stadt Regensburg Kunde der Telekom bleibt und nicht zu einem anderen Anbieter wechselt. Bei der bevorstehenden Ersatzbeschaffung einer Telekommunikationsanlage für die Stadtverwaltung wird es für uns im Falle gleichwertiger Angebote jedoch sehr schwer werden bei dieser Argumentation pro Telekom zu bleiben, wenn Ihr Unternehmen hier in Regensburg einen Stellenabbau größeren Stils ins Auge fasst.

Wir hoffen, dass Sie bei den abschließenden Entscheidungen in den Gremien der Deutschen Telekom AG eine für Regensburg vertretbarere Lösung in Berücksichtigung der Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

gez.

 

Joachim Wolbergs

Fraktionsvorsitzender

 

   

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